Vergleich Strato Dedicated Power-Server MR gegen netcup vServer Uranus

Jaaaa - also ich betreibe ja seit einigen Jahren diesen Server. Seit dem letzten Umzug im August 2010 läuft er unter einem bei Strato angemietetem "Dedicated Power-Server MR (v5.4)". Dabei handelt es sich um "echte" Hardware, nicht um ein virtualisiertes System. Schon länger reicht dieses recht spartanisch ausgestattete System nicht mehr wirklich für die Anforderungen. Aktuell laufen 8 nicht ganz inaktive Homepages auf der Maschine (keine statischen HTML Dateien: PHP Scriptseiten wie WordPress, TYPO3, phpBB Foren, etc.), er ist Mailserver für etwa 9 Domains (samt Spamfilter), berechnet Statistiken, das System selbst (Gentoo Linux -> Software wird kompiliert) will auch gewartet werden, ...

Kurz: Das Teil hat einiges zu tun! Dabei war nichtmal unbedingt der Prozessor das Problem, sondern RAM und Storage. Das ganze System ist recht betagt, wie wir gleich noch sehen werden. Neben diesen Diensten mit 1 GB RAM auch noch gescheit einen MySQL Server darauf zu betreiben "geht" technisch zwar, macht aber nicht wirklich Spass.
Es musste also ein zweiter Server als MySQL Host her. Seitdem laufen diese Seiten auf 2 Servern. Seitdem denke ich jedoch auch, das der Basis-Server nicht mehr wirklich rentabel funktioniert. Also habe ich mal die Fühler nach günstigeren Angeboten ausgestreckt. Kriterien waren dabei:

  • Speicherplatz mindestens 50 GB ( \~ 30 aktuell verwendet )
  • Möglichkeit ein Gentoo / Funtoo auf dem System installieren zu können
  • CPU und RAM mehr / schneller als aktuell
  • Preis sollte geringer sein als aktuell
  • Keine Mindestvertragslaufzeit

Ob das ganze virtuell oder physikalisch ist, ist mir dabei erstmal egal.

Ich bin also letztendlich auf die vServer der Firma netcup aufmerksam geworden. Server4You, Domain Factory und (wieder) Strato haben zwar auch atraktive Angebote, jedoch schneiden sie (für meine Anforderungen) leider "schlechter"* ab als netcup:

*:
Kurzes Vorwort zu "schlechter": Um fair zu bleiben: Ich habe hier nur reine Zahlen aus den Angeboten verglichen. Ich habe mich nicht in jedem Angebot eingelogged und die Performance so detailiert verglichen wie zwischen netcup und Strato. Jedoch: Wenn die Anbieter die absolute Performance Ihrer Produkte in's Feld führen möchten, sollten Sie diese Zahlen mit in die Angebote aufnehmen.
PS: @Alle Hoster: Sollte irgendwer daran interessiert sein, das ich deren Angebot hier kostenlos Re-Evaluiere: Über mein Mailformular könne Sie mir gerne unverbindliche Probezugänge zu Ihren Produkten mit der Bitte um Tests zukommen lassen ;)

  • Strato
    Das Angebot für "Dedicated Server" ist zwar nach wie vor nahezu ungeschlagen gut was das Preis-/Leistungsverhältnis angeht ( HighQ-Server XS ist sehr cool! ), jedoch hat man hier leider ( selbst als Stammkunde ) wenigstens 6 Monate Mindestvertragslaufzeit. Ebenso muss man 29,- € für die Grundeinrichtung bezahlen. Beides etwas, was ich nicht mehr möchte.
    Die vServer von Strato können (mich) da jedoch schon weniger überzeugen: Die Preise beginnen (mit powerServer A) bei 7,90 / Monat (was OK, aber mehr ist als bei netcup), der RAM beträgt nur 512 MB (statt 1 GB bei der Konkurenz), der Speicherplatz beträgt nur 25 GB (ebenfalls Markt-Schlusslicht), ... nichts für mich.
  • Domain Factory / JiffyBox
    Domain Factory hat mit seinem "JiffyBox" getauften vServer Angebot schon eine coole Sache am Start: Man meldet sich an und bezahlt erstmal nichts. Man kann in Minuten neue (v-)Server hochfahren, herunterfahren, einfrieren, löschen, klonen, ... sehr cool! Man bezahlt dann nur für die Nutzung der tatsächlich genutzten Maschinen. Allerdings: Will man diese dauerhaft betreiben wird's verhätnismäßig teuer: Selbst das günstigste Angebot kostet dann rund 14,90 € / Monat (0,02 ct pro Stunde * 744 Stunden pro Monat). Das ist für temporäre Präsenzen OK, aber auf Dauer gibt es günstigere Alternativen.
  • Server4You
    Für meine Anforderungen: Einfach zu teuer! 8,85 € / Monat für einen vServer mit 25 GB Storage: netcup ist auch hier wieder günstiger. Allerdings: Man kann deren Produkte unverbindlich 4 Tage lang testen und herausfinden, ob sie passen oder nicht. Allerdings scheidet das Angebot für mich wegen des Storage-/Preisverhältnisses aus.
  • netcup
    Ich habe mich für das Angebot vS Uranus light entschieden. Das ganze hat eigentlich alles was ich brauche, ist mit 6,99 € / Monat sehr günstig und deckt alle zuvor genannten Kriterien ab. Details folgen.

Was bei netcup sehr cool ist: Man kann das Angebot in Ruhe unter die Lupe nehmen (da monatlich kündbar). Ebenso hat man alle Zeit der Welt für eine Migration, da man für \~ 7 € / Monat ruhig mal einen bis zwei Monate diese Server parallel betreiben kann.

Für mich ist jetzt natürlich wichtig, das ich das, was bereits auf diesem Server besteht und läuft, übernehmen kann und dabei nichts merkbar langsamer wird. Also habe ich einmal einen Benchmark der beiden Systeme in den für mich relevanten Bereichen durchgeführt:

  1. Storage-Performance
  2. RAM-Performance
  3. CPU-Performance

Um dieses zu messen, habe ich auf dem aktuellen Server alle Dienste beendet (was die Downtime zwischen 15 und 23 Uhr am 01.04.2012 erklärt) und auf diesem wie dem netcup-System die folgenden Tests durchgeführt:

Im folgenden die Ergebnisse.
Zunächst einmal ein reiner Listenleistung-Vergleich:

Strato

netcup

RAM

Typ

DDR2 133

Unbekannt

Menge

1 GB

1 GB

HDD

Typ

Hitachi HDT725025VLA380

Unbekannt

Größe

250 GB

80 GB

CPU

Typ

AMD Opteron 1210 HE

Intel Xeon CPU E5620

Anzahl

1x2 Cores (2)

4x4 Cores (16)

Geschwindigkeit (Liste)

1,8 GHz

2,5 GHz

Preis

29,90 €

6,99 €

HDD ist zwar bei netcup deutlich kleiner als beim aktuellen Stratovertrag, aber für meine Anforderungen ausreichend.
Alles andere sieht laut Liste deutlich besser aus. OK, fairer weise muss man sagen, das das aktuelle Strato Angebot besser ist (HighQ-Server XS), aber für mich halt nicht so leicht zu wechseln wie zu netcup. Weder kann ich so lange günstig parallel fahren wie bei netcup, noch sehe ich die Notwendigkeit weiterhin monatlich fast 30 € zu bezahlen, wo es rund 7 € auch tun. So viel ist "Platz nach oben" nun im privatem Sektor auch wieder nicht wert.

Kommen wir zu den Messergebnissen:

Als Messgrundlage dienen dd , bonnie++ (v1.96) und sysbench (v0.4.10).

Die ausgeführten Kommandos lauten:

  • sysbench --test=memory --memory-scope=\$scope --memory-oper=\$operation --memory-access-mode=\$accessmode run
  • sysbench --test=cpu --num-threads=\$numthreads --cpu-max-prime=20000 run
  • dd if=/dev/urandom of=benchfile bs=1024K count=1024
  • bonnie++ -u root | bon_csv2html

Die mit "\$"-vorangestellten Werte zu sysbench findet man in folgender Tabelle nebst Ergebnissen:

Strato

netcup

sysbench - RAM

\$scope=global, \$operation=read, \$accessmode=seq

839.4359s

36.9148s

\$scope=global, \$operation=read, \$accessmode=rnd

839.9471s

39.1572s

\$scope=global, \$operation=write, \$accessmode=seq

869.6518s

66.8758s

\$scope=global, \$operation=write, \$accessmode=rnd

848.0943s

41.8068s

\$scope=local, \$operation=read, \$accessmode=seq

837.1526s

37.4726s

\$scope=local, \$operation=read, \$accessmode=rnd

849.7811s

38.9301s

\$scope=local, \$operation=write, \$accessmode=seq

877.9626s

67.3201s

\$scope=local, \$operation=write, \$accessmode=rnd

852.2366s

40.9074s

sysbench - CPU

\$numthreads=2

60.5573s

20.1742s

\$numthreads=16

n/a

4.2365s

Wir sehen also schonmal zum Thema CPU und RAM: Das netcup vServer - System hat hier klar die Nase vorn! Der RAM ist rund 20x schneller als der des Strato-Systems und die CPU ist bei der Berechnung von Primzahlen bei "nur" 2 von 16 möglichen, parallelen Threads ebenfalls etwa 3x schneller. Gesteht man der Primzahlenberechnung die zur Verfügung stehenden 16 parallelen Threads zu, ist sie beim netcup-System gar ca. 15x schneller.

Im Bereich RAM und CPU also klarer Sieger: netcup vServer!

Schaut man sich an wie lange es dauert eine 1GB große Datei wegschreiben zu lassen gewinnt hingegen klar das Strato-System:

Strato

netcup

dd - Benchmark

dd if=/dev/urandom of=benchfile bs=1024K count=1024

140 Sekunden

245 Sekunden

Der dd-Test zeigt eine Schreibperformance beim Strato-System, die rund 1,75x so schnell ist wie die des netcup vServers. Klar, das ist ein sehr realitätsferner Test, aber es folgt noch ein Test mit bonnie++, welcher diesen Eindruck unterstreicht:

Version 1.96

Sequential Output

Sequential Input

Random
Seeks

Sequential Create

Random Create

Size

Per Char

Block

Rewrite

Per Char

Block

Num Files

Create

Read

Delete

Create

Read

Delete

K/sec

% CPU

K/sec

% CPU

K/sec

% CPU

K/sec

% CPU

K/sec

% CPU

/sec

% CPU

/sec

% CPU

/sec

% CPU

/sec

% CPU

/sec

% CPU

/sec

% CPU

/sec

% CPU

netcup vServer

2G

559

95

118663

23

130356

15

2958

97

3083240

98

11990

168

16

86

0

+++++

+++

92

0

1986

15

+++++

+++

8211

58

Latency

33601us

6533us

14883us

15201us

3187us

5198us

Latency

14321us

915us

73617us

1517ms

1302us

26563us

Version 1.96

Sequential Output

Sequential Input

Random
Seeks

Sequential Create

Random Create

Size

Per Char

Block

Rewrite

Per Char

Block

Num Files

Create

Read

Delete

Create

Read

Delete

K/sec

% CPU

K/sec

% CPU

K/sec

% CPU

K/sec

% CPU

K/sec

% CPU

/sec

% CPU

/sec

% CPU

/sec

% CPU

/sec

% CPU

/sec

% CPU

/sec

% CPU

/sec

% CPU

Strato Server

2G

276

99

50075

20

31729

14

1207

98

73802

15

411.0

10

16

16859

66

+++++

+++

23837

73

18097

75

+++++

+++

23827

73

Latency

50975us

1783ms

968ms

20773us

44806us

375ms

Latency

11620us

2495us

2336us

307us

27us

356us

In puncto Storage hat also sowohl in Größe wie in Geschwindigkeit das (nicht-virtuelle) Strato-System klar die Nase vorn.

Wie sieht das ganze bei einem etwas realitätsnäherem Test aus? Zum Vergleich habe ich einmal den Gnu C Compiler (gcc) in Version 4.5.3 auf beiden Systemen kompiliert. Hier die Ergebnisse:

Strato

netcup

Gnu C Compiler Kompilierung - Benchmark

Kompileren (emerge =sys-devel/gcc-4.5.3)

57m57.791s

24m55.387s

Ergo: Das netcup System ist hierbei gut doppelt so schnell.

Da das Ganze ja nun doch recht I/O - lastig werden wird, bin ich mir noch nicht ganz sicher ob das wirklich die richtige Entscheidung ist, das bestehende System gegen dieses netcup vServer System zu ersetzen. Wir werden sehen.

Soweit zumindest schonmal meine Analyse :)

Wie immer bin ich für Kritik offen und dankbar.

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2011: 27 Jahre eMail und kein gescheiter Mailclient am Markt

GNAHR !! Das ist genau das richtige Wort für das, was ich gerade denke.

eMails sind für mich ein sehr, sehr wichtiges Medium geworden. SMS, Briefpost, Telefon, Foren, ... all das ist mir nicht so wichtig wie eMails. Ich nutze dieses Medium auf der Arbeit und Privat. Auf der Arbeit ist es ebenso das Medium! Wir interagieren mit Kunden, untereinander, koordinieren Kontinentübergreifend anstehende Arbeitsschritte und dokumentieren so auch nicht zuletzt den Verlauf, sowie das finale Ergebnis, eines Briefings. Ebenso gilt ein per eMail empfangenes Kundenbriefing als verbindliche Arbeitsanweisung und sichert letztlich auch unsere Arbeit gegen Missverständnisse ab. Schließlich ist nichts so einfach archiviert wie eine eMail.

Auch privat bringt mich so schnell nichts mehr von meinem IMAP - Mailpostfach ab! Früher, mit POP3, hatte ich immer das Problem, das entweder mein Postfach bei Web.de oder GMX.de voll war (ja, die hatten mal ein 5 MB Limit und ich bin ein alter Sack! ;) ), die Mails, die ich brauchte, nunmal leider gerade auf dem anderen PC waren, eine wirkliche Ordnerverwaltung fehlt, so das man sich seine astreine Verwaltungsstruktur quasi auf jedem Rechner wieder neu anlegen darf, etc.
Das ist mit  IMAP alles problemlos möglich. Man hat seine Ordnerstruktur und alle Mails auf einem zentralen IMAP Server liegen und zieht sich eigentlich auf Clients immer nur eine Kopie dieses Baumes. Wenn der Client mal wegraucht: Egal! Man hat stets alles auf dem zentralen Server. Und wer da keine gescheiten Backups hat: Selbst schuld!

Naja, wie auch immer: Das Thema dieses Beitrags soll es sein einmal die aktuelle Marktsituation und meine persönliche Meinung zu aktuellen eMailclients darzustellen.
In Deutschland wurde die erste eMail am 3. August 1984 um 10:14 MEZ in Karlsruhe empfangen. In 24 Tagen haben wir in Deutschland also seit 27 Jahren das Medium eMail, und nicht einen eMailclient weltweit, der den professionellen Ansprüchen gerecht wird, die ich an dieses Medium stelle. Ich hatte immer den Thunderbird verwendet. Es gab hiermit jedoch ein paar Probleme, weswegen ich mich einfach mal auf die Suche nach einer aktuellen Alternative gemacht habe. Ich meine: eMails sind wie gesagt das am häufigsten genutzte und wichtigste Medium im Internet. Es ist seit fast 27 Jahren im Einsatz, es muss doch also eine nahezu erschlagende Auswahl an Top-eMailclients geben! ... Am Arsch! Das meiste, was da draußen so verteilt wird ist absolut nicht zu gebrauchen - nichtmal für den gelegentlichen Einsatz, wenn man keine >2GB großen Mailboxen hat.

Für mich sind folgende Funktionen absolut essentiell und unverzichtbar:

  1. Unterstützung von IMAP, POP3 und SMTP per verschlüsselter Verbindung (SSL/TLS).
  2. Unterstützung von PGP/GPG um Nachrichten zuverlässig verschlüsseln und signieren zu können.
  3. Eine sichere Ablage der Daten, um sensible Informationen zu schützen.
  4. Es muss für Windows und Linux verfügbar sein.

Ich beginne meine Reise am Anfang: Den Problemen, die ich mit Thunderbird hatte.

Thunderbird 3.1 - Der Anfang der Reise

Thunderbird ist eine freie Software aus dem Hause Mozilla. Dem selben Verein also, der sich auch für die Entwicklung eines der erfolgreichsten Webbrowser der Welt verantwortlich zeigt: Firefox. Es ist deshalb immer das Mittel meiner Wahl gewesen, da es einfach tut was es soll: Dem User eine zuverlässige und komfortable Schnittstelle für das Medium eMail zur Verfügung zu stellen. Ich möchte einfach einmal eine kurze Pro- und Kontra-Liste anführen, ehe ich auf die Hauptursachen meiner Suche eingehe. Diese basiert auf der Version 3.1:

Pro

  • Kostenlos für private und kommerzielle Zwecke einsetzbar
  • Gute Unterstützung für POP3, SMTP und IMAP, alle über SSL und TLS abgesicherte Kanäle nutzbar
  • Dank der weiten Verbreitung und aktiven Community sehr gut dokumentiert
  • Übersetzungen in nahezu alle Sprachen vorhanden
  • Sehr gute Suchfunktionen
  • Nahezu alle relevanten Arbeitsplattformen werden unterstützt: Mac, Windows, Linux
  • Sehr umfangreiche Erweiterungsmöglichkeiten durch Extensions und Open Source
  • Sehr gute Implementation von PGP/GPG (Verschlüsselung und Signierung)

Kontra

  • Sehr großer Nachrichtenindex auf der Festplatte (SQlite Datenbank für schnellere Suchen)
  • Keine Verschlüsselung der auf der Festplatte gespeicherten Nachrichten
  • Unmöglich aufdringlicher und unflexibler Wizard beim anlegen neuer Accounts
  • Keine Möglichkeit Backups der Accounts anzulegen - man muss die lokalen Dateien als ganzes kopieren
  • Umständliches Auslagern von Accountdaten in Verzeichnisse, die nicht in einem Windows Profilordner liegen

Besonders der Wizard am Anfang, wenn man einen neuen Account einrichten möchte, sowie die große Datenmenge die dieses Programm erzeugt hat, um einen Index der Mails anzulegen, waren die Hauptgründe, weswegen ich hiermit nicht mehr zufrieden war.

[caption id="attachment_961" align="aligncenter" width="300" caption="Thunderbird Account Wizard"]Thunderbird Account
Wizard{.size-medium .wp-image-961 width="300" height="202"}[/caption]

Der Wizard  öffnet sich seit der Version 3.0 immer, wenn man einen neuen Account anlegen möchte. Mir ist keine Methode bekannt, diesen zu umgehen. Man muss in diesem ersten Fenster (Screenshot "Thunderbird Account Wizard") einen Namen, eine Mailadresse und ein Passwort eingeben. Es gibt keinen Weg manuell die bekannten Daten einzugeben. Basierend auf diesen Daten hat das Programm nun versucht die zugrunde liegenden Einstellungen automatisch zu erkennen. Dieses Verhalten ist schlicht und ergreifend dumm! Ich weiß nicht, welcher Vollidiot sich das ausgedacht hat. Noch weniger, wieso diese Idee von einer ansonsten sehr cleveren Community angenommen wurde. Ich habe folgende Probleme mit dieser Technik:

  • Nur basierend auf der eMailadresse können keine komplexen Konfigurationen erkannt werden.
  • In einer nach allen Regeln der Kunst abgesicherten Mailstruktur, wo alles per SSL abgesichert wurde, geht dieses Programm her und schickt erstmal über alle erdenklichen Zugangswege unverschlüsselt meine Daten durch die Gegend, um herauszubekommen, ob das OK ist oder nicht.
  • Oft bieten Anbieter einen Zugang per POP3 und IMAP an. Möchte man nun eines dieser beiden Zugänge nutzen, Thunderbird entscheidet sich bei der Erkennung aber dummerweise für die andere Zugangsart, hat man Pech gehabt! Die Einstellungsdialoge bieten keine Möglichkeit zwischen IMAP und POP3 zu wechseln. Was das Programm also nicht auf anhieb erkennt, kann man nicht nutzen!
    Die einzige Möglichkeit die ich hier gefunden hatte, ist zwar die richtige eMailadresse, jedoch ein falsches Passwort einzugeben, den Vorgang zu starten und sofort die automatische Erkennung durch einen Klick auf "Stopp" zu unterbrechen. Dann und NUR dann hat man eine Chance, komplett manuell zu konfigurieren.

Besonders letzteres wirkte immer wie ein Admin mit Parkinson. War man zu langsam, riskierte man, das Thunderbird "rät" was man will. Und das endete meistens in komplettem Foo.

Ein weiteres Ärgernis war (und ist) das die SQlite Datenbank, welche Thunderbird anlegt um Nachrichten zu indizieren und besser  durchsuchen zu können, kontinuierlich wächst. Mein IMAP Postfach auf dem Server ist z.B. derzeit 2,1 GB groß. Ich sammle diese Nachrichten seit ca. 5 Jahren - wieso löschen? Betreibe ich mein Thunderbird für etwa 2 Jahre, kann man davon ausgehen, das diese Datenbank (zusätzlich zu den optional heruntergeladenen Mails) auch ca. 1 GB groß wird.
Zusammen mit der beschriebenen Eigenschaft, das sich Daten nur schlecht verschieben lassen und Thunderbird standardmäßig seine Daten in Profilordnern ablegt, welche bei "Roaming Profiles" dann natürlich sehr viel Datentransfer verursachen, ist das ein sehr nerviges Verhalten.

Diese Probleme sind alle kein Weltuntergang, jedoch allemal Grund genug, sich einmal nach Alternativen umzusehen.

KMail (Version: Aktuell in KDE 4.6 enthaltene)

Bei KMail handelt es sich um den kostenlosen eMailclient einer ganzen PIM Suite (Kalender, Adressbuch, TimeTracker, etc.) vom KDE Team. KDE ist eigentlich eine Desktopumgebung für Linux, hat aber inzwischen auch einige Tools nach Windows portiert, wodurch dieses Programm in diesem Test mit einbezogen wurde. Ich hatte es früher schon einmal verwendet, hatte jedoch mit andauernden Programmabstürzen zu kämpfen, da Akonadi damals noch nicht sauber integriert war.

Bei KMail handelt es sich in der Tat um einen super eMailclient! Er kann viel, lässt sich sehr detailiert konfigurieren, ... sehr schön!
Was mir jedoch garnicht gefallen hat ist, das die Windowsvariante nicht wirklich gut in Windows integriert ist. Systemaufrufe, wie etwa ein Klick auf einen Hyperlink, halten sich nicht an die Systemvorgabe des Betriebssystems. Zudem ist das Programm unter Windows sehr träge. Es ist allerdings bereits unter Linux nicht gerade schnell. Zudem hatte ich auch in dieser Version häufig mit Abstürzen zu kämpfen. Außerdem hat das Programm keine Möglichkeit eMails bei IMAP lokal zu speichern, wodurch er bei jedem Ordnerwechsel erst einmal den kompletten Verzeichnisinhalt abholen musste. Das bremst einen nicht nur ungeheuer aus, sondern macht es einem auch unmöglich nach eMails zu suchen.

Sehr schade eigentlich, da das Programm ansonsten wirklich sehr überzeugend ist! GnuPG wird super unterstützt, das Interface ist nahezu ungeschlagen gut konfigurierbar, Nachrichtentemplates lassen sich gut definieren, ...

Was dieses Programm leider auch nicht bietet ist eine Verschlüsselung der Daten auf der Festplatte.

TheBat! v5.0.18 Professional Edition

Bei TheBat! handelt es sich um ein kommerzielles Programm der Firma Ritlabs. Man kann für 30 Tage eine Home- oder Professional Variante des Programms kostenlos testen. Hierbei ist man in der Funktion nicht eingeschränkt.
Da dieses Programm auf den ersten Blick einen sehr guten Eindruck machte, habe ich es mir sogar in der Professional Version gekauft, denn nur mit dieser erhält man die Funktion der verschlüsselten Dateiablage.

Inzwischen ärgere ich mich jedoch um das schöne Geld, denn das Programm ist an allen Ecken und Enden verseucht mit Bugs! Einstellungen werden nicht übernommen, Beschriftungen ragen in Eingabefelder hinein und überlagern sie, Fortschrittsdialoge werden nicht hochgezählt (32 Sekunden * 500 = 10 Sekunden - klar, oder?), es kommen Warnungen für SSL Zertifikate, das der Aussteller unbekannt sei, was ja soweit richtig ist. Es gibt auch einen Button, dieses Zertifikat dennoch dauerhaft zu akzeptieren, dieser ist jedoch nicht klickbar. Dann speichert das Programm vertrauenswürdige Zertifikate noch im Adressbuch (!), akzeptiert sie anschließend jedoch trotzdem nicht, etc.

Selbst wenn man mit allen diesen Fehlern leben könnte, mit einem kann ich ganz und garnicht leben: Das Programm aktualisiert bei jeder Postfachaktualisierung über IMAP, trotz lokal gespeicherter Mails, unheimlich lange sämtliche Ordner! Das dauert locker mal 10 Minuten. Wenn man gerade eine Mail versenden möchte (was vorkommen soll), so muss diese trotz der Einstellungsmöglichkeit, parallel zu versenden und zu empfangen, warten, bis alles fertig abgeholt worden ist. Das ist einfach nicht hinnehmbar!

Ritlabs machen sich durch diese miese Qualität selbst das Geschäft kaputt, denn ansonsten kann das Programm durchaus punkten! Es hat ein sehr angenehmes Interface, herausragende Filter- und Konfigurationsmöglichkeiten, die Funktionen zur Dialogverfolgung (wie sie ab Version 5.0 auch in Thunderbird enthalten sind) sind prima und es gibt durchaus einen gewissen Fankreis, der TheBat! noch aus den glorreichen Tagen kennt (oder nur POP3 verwendet). Auch ich habe TheBat! damals, als ich mit Computern und dem Internet anfing, als Standardclient benutzt (Thunderbird gab es da noch garnicht und alles war besser als Outlook!).

Ich muss leider sagen, das sich das Programm in einem katastrophalen Zustand befindet! Ich könnte mir aufgrund der vielen, vielen Fehler durchaus vorstellen, das sollte jemand deswegen einmal vor Gericht ziehen, Ritlabs der Vertrieb in der derzeitigen Form untersagt wird, da es sich nicht um ein funktionales Produkt handelt. Sehr, sehr schade ...

Opera Mail aus Opera Next v12.00

Getestet wurde hier Opera Next - eine Art unstable Version des bekannten Opera Webbrowsers. Opera Next verfolgt da einen ähnlichen Ansatz wie Google mit seinem Chrome Browser, der sich fortlaufend selbst aktualisiert, nur nennen sie diese Variante halt "Next" und stehen dazu, das auf diesem Wege gelegentliches, unstabiles Verhalten nicht auszuschließen ist.
Das Mail-Modul ist jedoch nahezu unverändert auch im herkömmlichen Opera Browser integriert.

[caption id="attachment_964" align="aligncenter" width="300" caption="Fensteransicht von Opera Next im eMailmodul"]Fensteransicht
von Opera Next im
eMailmodul{.size-medium .wp-image-964 width="300" height="168"}[/caption]

Das Mailprogramm geht in vielerlei Hinsicht neue Wege. So zeigt es nur "optional" die komplette IMAP Ordnerstruktur an (unten im Bild). Der als Hauptweg konzipierte Weg funktioniert über die Haupt-Favoriten Ordner wie Eingang, dem virtuellen Ordner "Ungelesen", usw. im oberen Teil der linken Leiste. Das kommt einem zunächst einmal sehr komisch vor, geht aber erstaunlich gut von der Hand und ist wirklich praktisch. Negativ fiel hier lediglich auf, das es nicht möglich ist eMails aus diesen Ordnern direkt in die IMAP Struktur (unterer Teil der linken Leiste) zu verschieben. Dazu muss man leider nach wie vor die INBOX der kompletten Ordnerstruktur aufrufen.

Auch geht Opera Mail her und versucht aus allen heruntergeladenen Mails einen Verlauf zu erzeugen, wobei es erstaunlich gut erkennt, wenn es sich um eine Mailingliste handelt. Diese zeigt es dann ebenfalls als einzelne Kategorien in der linken Leiste an. Leider funktioniert die Erkennung  hier recht ungenau und die erkannten Mailinglistennamen lassen sich nicht umbenennen. Daher habe ich z.B. gerade 8 Mailinglisten, die alle "Gentoo Linux mail" heißen. Dahinter verbergen sich jedoch unterschiedliche Gentoo Mailinglisten.

Unterhalb jeder Nachricht hat Opera Mail ein so genanntes Schnellantwort-Feld. Dieses Tut genau was es soll: Man tippt hier nur etwas wie "Ist OK" oder so ein und klickt auf "Schnellantwort". Die Mail wird dann derart spartanisch, ohne große Anrede und Co. abgeschickt. Ebenfalls recht praktisch.

PGP/GPG wird leider noch garnicht unterstützt.

Alles in allem ein recht gelungener Mailclient.

Pegasus Mail 4.6 

Ich beschreibe meine Erfahrungen auf einem Windows 7 64 Bit System:

Hmm ... geht schonmal komisch los: Man muss das Programm unter Windows 7 in einen Ordner installieren, der nicht in einem durch die in Windows eingebauten  Zugriffsbeschränkungen (z.B.: "C:\Program Files") "geschützt" wird. Anderenfalls stürzt das Programm nach dem Account-Wizard umgehend ohne weitere Meldung ab. Ich habe mich also für C:\PMAIL entschieden. Das hinterlässt schonmal einen schlechten Eindruck: Würde jedes Programm dieses Verhalten an den Tag legen, wäre es unmöglich auf einem Computer Ordnung zu halten.

Ich starte das Programm und ... es stürzt ab. Ich starte es nochmals - es bleibt an. Im Posteingang des Programms liegt zu Beginn eine Begrüßungsmail des Herstellers. Im Vorschaubereich des Programms findet sich folgender Text:

Die Vorschauansicht wurde deaktiviert, weil Pegasus Mail beim letzten
Start unerwartet beendet wurde.

Wenn eine solche unerwartete Programmbeendigung durch den Inhalt der
ersten Nachricht in einem Ordner verursacht wird (was manchmal bei
Nachrichten auftreten kann, die nicht dem HTML-Standard entsprechen),
lässt sich Pegasus Mail nicht mehr korrekt starten, weil die betreffende
fehlerhafte Nachricht bei jedem Start von Pegasus Mail erneut bearbeitet
wird und dann einen Absturz von Pegasus Mail verursacht. Aus diesem
Grund hat das Programm die Vorschauansicht automatisch abgeschaltet.

Um den Vorschaumodus wieder einzuschalten, rufen Sie die Option
"Vorschauansicht" im Menü "Ordner" auf.

Scheint also schonmal öfter vorzukommen. Ziemlich peinlich, das so auch gleich eingestanden wird, das die selbsterstellte Begrüßungsmail offenbar nicht selbst gesetzten Standards entspricht. Ich aktiviere die Vorschauansicht wieder, klicke auf die vom Hersteller bereitgestellte (!) Mail und ... es stürzt wieder ab.
An dieser Stelle breche ich den Test dieses Programms ab, da ein Programmabsturz, hervorgerufen durch minimale Unstimmigkeiten im Inhalt einer eMail, nichts ist, was ich im professionellem Betrieb einer Software gebrauchen kann. Da interessieren mich ehrlich gesagt die restlichen Features, wie sie vollmundig auf der Homepage des Projektes angepriesen werden, herzlich wenig.

Mulberry 4.0.9a1 

Das Programm suggeriert anhand seiner umfangreichen Einstellungsmöglichkeiten zunächst einmal sehr viele Möglichkeiten. Leider sieht das Interface so aus:

[caption id="attachment_963" align="aligncenter" width="300" caption="Defektes Mulberry Interface"]Defektes Mulberry
Interface{.size-medium .wp-image-963 width="300" height="151"}[/caption]

Es werden keine Scrollbalken dargestellt, so das viele Elemente einfach in einem nicht angezeigten Bereich des Fensters liegen, das kleine weiße Dreieck unter der Mailliste ist die angezeigte Nachricht, welches sich weder komplett öffnen, noch größer ziehen lässt, etc. Das ganze ist so natürlich nicht zu gebrauchen. Daher breche ich den Test des Programms an dieser Stelle ab.

Alle anderen ...

... sehen sowas von lieblos und hingeklatscht aus, das ich diese erst garnicht in die engere Auswahl genommen habe, geschweige denn installiert. Bleibt nur zu sagen: Outlook ist kein eMailprogramm! Es ist ein Tool für Hacker, welches Ihnen erlaubt schnell und einfach Ihr Botnetz zu erweitern! Daher schaue ich mir den Mist hier erst garnicht an!

Fazit

And the winner is ... Thunderbird!

Trotz aller Widrigkeiten stellt das freie eMailprogramm aus dem Hause Mozilla trotzdem noch das beste eMailprogramm am Markt dar. Es mag seine Ecken, Kanten und Unschönheiten haben, jedoch wenn man einmal den Schmerz des aktuellen Marktangebotes gekostet hat, fühlt sich die reumütige Rückkehr fast wie eine Erlösung an und einstige "Must have" - Anforderungen werden gerne zu "Nice to have" Punkten herabgestuft, solange die Basics funktionieren und einem das Programm ohne größere Behinderungen ermöglicht das Medium eMail einfach zu benutzen ist alles zu verschmerzen.
Ebenso ist das Programm ja gerade in einer neuen Major-Version, der Version 5.0, erschienen. Augenscheinlich hat sich nicht so viel geändert - der blöde Wizard ist immernoch da. Es wurden ein paar Knöpfe umarrangiert und der Nachrichten- und Gesprächsverlauf scheint in dieser Version auch wichtiger zu sein als vorher. Trotzdem können Mails nach wie vor nicht lokal auf der Festplatte verschlüsselt werden und es würde mich überraschen, wenn die Indexierungsdatenbank nun kleiner geworden wäre.

Ich bin bei meiner Recherche auf diverse Clients gestoßen, die einfach garnicht funktionieren. Und zwar nicht irgendwie versteckt in irgendwelchen Unterfunktionen, oder nur, wenn eine handvoll Einflüsse zusammenkommen, sondern bereits bei den absoluten Basics! Es ist mir absolut unverständlich, wie ein Entwickler oder eine -gruppe so etwas zum Download bereitstellen kann. Mir wäre es gehörig peinlich mein Mailprogramm vollmundig als Topp-Software anzupreisen und den willigen User bereits bei einer Installation, welche nur die Vorauswahlen des Installers bestätigt, mit einem unbenutzbarem Interface und Programmabstürzen zu konfrontieren. Testen die Ihre eigene Software nicht? Nichtmal ob die Installation und ein reiner Start anschließend funktioniert? Es kann nur so sein, denn was die Jungs von Mulberry und Pegasus da abliefern ist ein Armutszeugnis.
Besonders schlimm finde ich, das auch das einzige kommerzielle Produkt im Test, TheBat! von Ritlabs, so arge Fehlfunktionen aufweist, das ich nur jedem davon abraten kann für so einen Müll Geld auszugeben. Wenn Open Source Projekte schlechte Arbeit abliefern: OK. Schließlich machen die das alles ehrenamtlich und den einzigen den sie damit Schaden sind sie selbst, weil Ihr Ruf als ernstzunehmender Programmierer darunter ziemlich leiden dürfte. Was Ritlabs da betreiben ist jedoch in meinen Augen nichts anderes als Betrug, bei dem arglose Kunden mit nicht funktionaler Software über's Ohr gehauen werden.

Ich werde wohl erstmal bei Thunderbird bleiben und kann, nach diesen Erfahrungen, jedem nur raten dasselbe zu tun.

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