Abschied von der alten Zoosau

Irgendwie sind wir Menschen ja schon bei Zeiten etwas komisch gestrickt: Wir wollen uns zum Beispiel ein neues Auto kaufen, sind uns den Vorzügen der Neuanschaffung völlig bewusst und wägen das Für und Wider dieser Entscheidung sorgfältig ab. Doch wenn wir uns schließlich zu diesem Schritt entschlossen haben und uns vom alten Wagen trennen sollen, werden wir sentimental und lassen uns von Emotionen plagen, die einem fast das Gefühl geben man gibt ein lieb gewonnenes Familienmitglied in fremde Hände, bzw. gibt ihm den Gnadenschuss. Vergessen sind plötzlich die letzten vierstelligen Rechnungen für Verschleißreparaturen; wir haben ein schlechtes Gewissen gegenüber einer Sache und empfinden sogar Trauer. Da hilft einem auch die Erkenntnis, wie unsinnig solche Gefühle sind, nicht wirklich weiter.

Ähnliches habe ich eben beim letzten einloggen in die alte "Zoosau" empfunden. zoosau.de war meine erste, eigene Domain. Ich habe sie seit 2003, also inzwischen über 7 Jahre. Zunächst lief sie ca. 2 oder 3 Jahre auf einem vServer von "Server4You". Bereits für diesen Server bürgerte sich der Name "die Zoosau" ein. "Ich lad's dir nachher auf die Zoosau!" - Solche und ähnliche Sätze machten dann im IRC Stammchannel und der Berufsschule die Runde. Dieser Name hat sich inzwischen sogar im professionellen Umfeld meiner Arbeitsstelle etabliert - jeder weiß was gemeint ist und keinem Stößt dieser Name mehr sauer auf. ;)
Auf diesem vServer stieß ich jedoch sehr schnell an dessen Grenzen. Schließlich konnte man ja nichtmal einen neuen Kernel kompilieren, da dieser mit closed source - Patches versehen war um auf der Virtualisierungsplattform laufen zu können. Sofern man seinen Server ordnungsgemäß gewartet und aktualisiert hat, füllten die Updates auch schnell ca. 1/4 der gesamten Festplattenkapazität, da die zugrunde liegende Virtualisierungsplattform nur "originale" Dateien nicht von dem zur Verfügung stehenden Speicherplatz abgezogen hat. Kaum hat man ein Paket aktualisiert, war dieser Speicherplatz auf einmal "mehr" belegt. Hat ein Paket von 1 MB Größe also ein älteres von 1 MB Größe überschrieben und hatte man zuvor ... sagen wir 100 MB frei, so hatte man nach diesem Update nur noch 99 MB frei. Klingt komisch, war aber so!
Seit ca. 2006 bis heute bestand also "die Zoosau" in der aktuellen Form eines Debian 4.0 Servers auf echter (wenn auch alter) Hardware. Was zunächst als reine Homepage-Maschine begonnen hat, hat sich auf diesem System schnell zu einer immer weiter wachsenden Spielwiese entwickelt, auf der ich ungeheuer viel gelernt habe. Jeden Tag kam ein wenig mehr zum Funktionsportfolio hinzu. Zu Mails, die per fetchmail auf den Server von meinen Freemail-Accounts geholt und gesammelt wurden, kamen schnell eigene Mailaccounts auf dem Server, die direkt angesteuert werden konnten. Zum lesen der Mails auf der Shell kamen schnell die Möglichkeiten diese per IMAP und Webmailer zu lesen. Ein Spamfilter, Datenbanken, Backupsysteme (dessen Konzept ich auf der Bacula Konferenz 2009 in Köln sogar als Gastredner präsentieren durfte (Präsentationsunterlagen Bacula Konferenz 2009 von Marc Richter fa. Marketing Factory Consulting GmbH - Punkt "Vorstellung der Lösung für extern gehostete (z.B. vServer) mit FTP - Backupspace")), Monitoring der Last, Zugriffsstatistiken, etc. sollten folgen. Alle diese Themen konnte ich hier nicht nur nach 0815 - Schema "mal eben installieren" sondern konnte mir stets die Zeit lassen, diese Programme wirklich zu verstehen; sowohl was die Funktion, wie auch was die Bedienung und Implementation angeht.
Um es kurz zu machen: In diesem System steckt mein ganzes KnowHow und auch ein Teil Herzblut. Fast alles was ich heute kann, habe ich hier gelernt. Zudem stellt es für mich so eine Art IT-Utopia dar, welches mir stets zum Vorbild und als Maßstab für weitere Systeme gereicht. In den nunmehr über 4 Jahren Dauerbetrieb komme ich (ohne die jüngsten Migrations-Downtimes) auf weniger als 2 Stunden kummulierte Ausfallzeit, trotz stetigem basteln im Hintergrund.

Inzwischen laufen insgesamt 8 produktive Seiten auf diesem Server. Mit allen Metadiensten wie Statistiken, Backups, etc. lief das System jedoch schon lange auf einer durchschnittlichen Load von ca. 0,8 . Zudem boten neue Server-Pakete für denselben Preis schlichtweg inzwischen ... mehr: mehr Platz, mehr Inklusivtraffic, mehrere CPU-Kerne, schnellere CPU-Kerne, mehr RAM, etc. Last but not Least ist Debian 4.0 stable ja nun nicht mehr der jüngste Kandidat auf dem Markt, so das ich immer öfter, um an aktuellere Versionen einer Software zu kommen, händisch kompilieren musste. Und mit jedem Paket, welches ich so jenseits des Paketmanagements warten musste, wuchs der Aufwand, da man ja trotzdem auf aktuelle Sicherheitsprobleme Rücksicht nehmen muss (jajaja, man kann ja auch das testing oder unstable - Release nehmen oder gar mischen. Habe ich aber nie gute Erfahrungen mit gemacht).

Als ich mich eben um ca. 19.43 Uhr auf der alten Zoosau eingelogged habe, hatte ich schon ein komisches Gefühl und schlechtes Gewissen, da ich wusste, das ich das System, was mir jahrelang treue Dienste geleistet hat und auf dem ich eine Menge Spaß hatte, gleich binnen Sekunden zerstören werde.
Einmal eingelogged, habe ich zunächst alle persönlichen Daten gelöscht. Anschließend habe ich um 19.47 Uhr folgende "Schleife-of-Death" losgetreten:

while [ 1 -gt 0 ]; do
dd if=/dev/urandom of=/dev/hda
done

Da bleibt wohl nicht viel über ... :'(
Tut mir irgendwie in der Seele weh. Zumal wenn ich sehe, das das ganze inzwischen schon 1 Stunde, 23 Minuten läuft und das System immer noch tapfer auf Pings reagiert.

[caption id="attachment_795" align="aligncenter" width="300" caption="Abschied von der alten Zoosau - h1322702"]Abschied von der
alten Zoosau -
h1322702{.size-medium .wp-image-795 width="300" height="168"}[/caption]

1: Hier läuft die "Schleife of Death"
2: Hier antwortet das System immer noch tapfer auf Pings
3: Im Schatten der alten Zoosau, steht hier bereits die neue Zoosau Gewehr bei Fuß

Schon blöd - selbst wenn man sich das Auto, was unmittelbar nach dem eigenen vom Band gerollt ist, als Ersatz für das eigene kauft, fühlt man sich dennoch darin fremd und merkt, das es nicht dasselbe ist.
Ich habe jetzt alle Dienste übertragen, alle Dateien kopiert. Ja, sogar funktionieren tut alles. Schneller als vorher. Und dennoch fällt mir der Abschied schwer.

Naja, nun ist's eh zu spät.
Auf zum letzten Shutdown - sofern das System den überhaupt noch hinbekommt ;)

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Syntax Highlighting im vim aktivieren

Nur ein schneller Tipp für zwischendurch.

Unter Debian und Debian-artigen Linux Distributionen ist das Syntax Highlighting standardmäßig deaktiviert. Ist auch gut so für ein Serverbetriebssystem, da manche KVM Displays auf Farben nicht so gut zu sprechen sind.
Meistens ist dieses jedoch ein Feature, das einen ungemein bei der Arbeit unterstützt.

In diesem Blog, der leider nur von registrierten Usern Kommentare akzeptiert ( was mir aber zu umständlich ist ;) ), habe ich schnell gefunden, wie man es aktiviert:

Einfach in die Datei "/etc/vim/vimrc" die Option "syntax on" setzen. Bei Debian und Ubuntu existiert der Eintrag bereits, ist jedoch durch doppelte Anführungszeichen auskommentiert.
Das war's schon! :) Beim nächsten Start von vim ist das Syntax Highlighting aktiviert.

Achtung: Auf diesem Wege gillt es global für alle User!
Userspezifisch kann man dasselbe erreichen, indem man stattdessen die Datei ".vimrc" im jeweiligen Home-Dir des Users wie oben beschrieben editiert.

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Never change a running system ...

... erst recht nicht, indem man sich blind auf den Skill anderer verlässt. Und schonmal GARNICHT auf Produktivsystemen! :(

Alles Dinge, die ich eigentlich wissen sollte - dennoch hielt ich es vorgestern für eine total gute Idee dpkg über einen "apt-get dist-upgrade" - Befehl die Anweisung zu geben nun vollständig von etch auf lenny Upzugraden. Natürlich ohne das zuvor auf einem gespiegeltem Testsystem zu testen. Diese tolle Idee hatte nun fast 2 Tage off zur Folge, da es natürlich nicht reibungslos geklappt hat.

Warum auch immer: Anschliessend hat Apache meine Konfig nicht mehr gefressen, das System hatte keine route mehr gesetzt, usw. Ich konnte die route auch manuell setzen; dann kam ich zwar wieder von mir aus (Arcor Dial-In) per SSH auf das System, jedoch hatte ich keine route zu einem benachbartem Server (ebenfalls ein Strato-Host). So sehr ich auch herumprobiert habe, ich erreichte das System nicht.

Ich habe die 7 GB Daten des Systems also die letzten 2 Tage komplett über's Netz weggesichert und anschliessend das System neu installiert.

Ich denke weitestgehend läuft nun wieder alles.

Aber gut - es bringt mir die alte Weisheit "Never change a running System" (Ändere nie ein laufendes System) wieder ins Gedächtnis. Lieber privat als auf der Arbeit bei einem Kunden-Liveserver :)

An dieser Stelle nochmal: Sorry für alle Server-mitnutzer; war mein Fehler.

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