Gestern war ich zusammen mit Lena in "Der Tanz der Vampire" im Metronom Theater Oberhausen.
Es war wunderschön! Wir hatten einen der besten Plätze im Saal, auch wenn ich das zuerst nicht dachte. Auf dem folgendem Bild könnt ihr einen Sitzplan sehen, auf den ich mich in der folgenden Beschreibung beziehen werde.

[caption id="attachment_335" align="alignnone" width="180" caption="Metronom Sitzplan"]Metronom
Sitzplan{.size-medium .wp-image-335 width="180" height="172"}[/caption]

Sorry für die schlechte Auflösung. Leider fand ich keine Bessere Version.
Auf den beiden Plätzen, die mit einem gelben Kreis umrandet sind, haben wir gesessen. Erst dachte ich, das man evtl. etwas weit von der Bühne wegsitzt. Für Personen mit eher schwachen Augen mag das auch stimmen. Ich hatte meine Brille jedoch dabei und war sehr zufrieden!

Warum sind das (fast) die besten Plätze im Saal? Ganz einfach: Das Musical spielt sich nicht nur auf der Bühne ab. Teilweise kommen die Akteure auf dem Gang zwischen den Sitzreihen entlang geschritten, wenn die auf- oder abmarschieren. Der (aus dieser Vogelperspektive aus) linke Gang wird kaum genutzt. Teilweise tauchen aus dem dunkel Darsteller auf, werden dann auf einmal mit hellen Scheinwerfern beleuchtet und stehen direkt neben einem. Das haben sie GANZ toll gemacht :)

Überhaupt war der Abend sehr, sehr schön. Der vampirische Hauptdarsteller, "Graf von Krolock", dargestellt von Jan Ammann, war ganz grosse Klasse! Was jetzt nicht heissen soll, das der Rest nicht genauso gut war. Aber bei einem Vampirmusical, als Vampir-Fan, achtet man nunmal am ehesten auf die vampirische Hauptrolle. Ich liebe Vampire, die edel, übernatürlich, intelligent, elegant, stark und charismatisch dargestellt werden. Und genau das hat dieser Darsteller hervorragend geschafft. Er bewegte sich sehr, sehr elegant und man hat ihm jede Sekunde der Darstellung über den "Vampir-Lord" abgekauft! Sehr toll!

Das Musical selber besteht hauptsächlich aus der Titelmelodie der Originalfilmes "Tanz der Vampire" und halb neuen Songs. "Halb neu", weil die meisten, die dieses Musical besuchen werden, wohl mehr als eine Melodie wiedererkennen werden. Es wurden teilweise Melodien aus anderen Musicals übernommen und einfach mit einem zu dem Musical passendem Text versehen. Teilweise wurden sogar Melodien aus Songs von mehr oder weniger aktuellen Rock und Pop Musikern  verwendet und eigentlich nur durch die Tatsache, das ein Orchester diese aufspielt, sowie im Text verändert (z.B. "Unstillbare Gier" trägt die Melodie von Meat Loaf's "Objects in the rear view mirror", "Totale Finsternis" entspricht melodisch dem Titel "Total eclipse of the heart" von Bonnie Tyler, etc. Eine vollständigere Liste ist im Wikipedia-Eintrag zu finden.).
Das mag sich nun lesen als wäre das ganze Musical ein einziges Coverprojekt und hat nicht viel zu bieten. Diesen Eindruck will ich jedoch garnicht erwecken! Im Gegenteil: Ich bin zwar nicht wirklich Musicalfest, jedoch war ich beeindruckt von der vielseitigen Darstellung des Charakters, der Beweggründe und des (Nicht-)Lebens eine Vampires.
Auch die Bühne war unheimlich stilvoll! Ein wahnsinnig schönes Spiel mit Licht und Gothik. Als ich in dem Saal saß habe ich mir auch mehr als einmal gedacht "Boah! Den und den Effekt musst Du Dir unbedingt für Deine kommende Wohnung merken!" Die Bühne ist total dynamisch, vielseitig und man merkt, das die Darsteller sich dort auch wirklich zuhause fühlen. Alles dreht sich, bewegt sich, gleitet an Darstellern vorbei, gleitet mitsamt den Darstellern aus dem Bähnenbild heraus, nun um wenig später mitsamt den Darstellern wieder an anderer Stelle aufzutauchen, und so weiter. Herlich schön gemacht! :)

Der Film wurde von der Handlung her sehr genau und vollständig übernommen. Wir standen vor dem gestrigen Tag vor der Entscheidung, ob wir den Film erst sehen sollen (wir kannten ihn beide nicht), oder ob wir erst ins Musical gehen sollten. Im Nachhinein war unsere Entscheidung, erst den Film anzusehen, vollkommen richtig. Den Film selbst fand ich persönlich nicht so gut. OK, das Teil ist von 1967. Trotzdem fand ich, das man vieles hätte besser machen können. Witze wurden so schlecht inszeniert, das ich sie überhaupt nicht als Humorvoll verstanden habe, so das ich die ganze zeit dachte, der Film sei zu seiner Zeit vollkommen ernst gemeint gewesen. Jedoch als der Regisseur das fertige Ergebnis sah, hat er schnell gesagt "Haha ... tolle Vampir-Komödie haben wir da gedreht ..." :D
Das hat das Musical viel, viel besser gemacht! Die Szenen waren durchgehend spannend und trotzdem sehr witzig. Es hat besonders viel Spass gemacht, die Szenen aus dem Film wiederzuerkennen. Daher lautet meine Empfehlung: Erst den Film ertragen, dann das Musical anschauen.

Das ganze ist wirklich sehr schön. Nicht dieses langweilige "Hach, da singen und springen sie 3 Stunden lang auf einer öde langweiligen Bühne herum und ich wäre lieber zum Zahnarzt gegangen." - Feeling, das man sich im Vorfeld so vorstellt.
OK, ich denke man muss auch eine gewisse Begeisterung für die Grundthematik mitbringen. Ich war z.B. als Köttel von 8 Jahren oder so auch mal im Starlight Express und fand es tödlich langweilig. Was interessiert mich die Liebesgeschichte von ZÜGEN, wo man zudem wegen des starken, amerikanischen Dialektes noch so gut wie kein Wort versteht? So wird jemand, der mit Vampirgeschichten nichts anfangen kann, sich evtl. hier auch nicht 100%ig wohl fühlen. Aber allen anderen sie dieses Musical, auch wenn es recht teuer ist, wärmstens anz Herz gelegt!

Wegen des Preises: Ich habe mich schon über 6,50 € teure Kinokarten geärgert, weil ich dachte "Das war absolut kein Film, den man im Kino ansehen musste!". Aber den Kauf dieser Karten für je ca. 110,- € habe ich keine Sekunde bereut! Es wird einem ehrlich einiges geboten! :)

30.01.2009 - Nachtrag:
Inzwischen habe ich doch eine höher aufgelöste Version des Saalplanes des Metronom-Theaters in Oberhausen gefunden. Zur Erinnerung: Wir saßen in Reihe 18, Plätze 9 und 10 :)

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