Vom Zerlauf der Freundschaften
Vor ca. zwei Jahren wechselte sich ziemlich radikal mein Freundeskreis. Dadurch, das ich mit meiner Freundin zusammenkam und Ihre Leute kennen lernte, wurde auch ich selbst schnell in diesen Kreis mit aufgenommen und gemocht.
Zu diesem Zeitpunkt spielten aus dieser im Kern ca. 20 Mann bestehenden Truppe nur ca. 3 halbwegs regelmäßig das MMORPG World of Warcraft. Es wurde vom nicht-spielenden Rest verteufelt. Alle waren sich einig, das es massivst Zeit fressen würde, das es zu teuer ist, das es suuuper nervt, das die Leute (nicht zuletzt aus dem Grund, das sie halt nichts anderes mehr erleben) nur noch zu einem Gespräch rund um dieses Spiel bereit sind, das man sie zu kaum einer normalen Freizeitbeschäftigung bewegen kann, weil ja immer irgendwelche super wichtigen Aufgaben in dieser Spielwelt auf sie warten, etc.
Kurzum: Mit diesen Leuten liess sich quasi nichts mehr anfangen.
Also ist der deutlich größere Rest halt regelmäßig ins Kino gegangen, hat Videoabende gemacht, hat LARP gespielt, Pen&Paper, oder was weiss der Geier. Wir hatten immer super viel Spass und es war nie langweilig. Ich war sehr froh so einen schönen Freundeskreis aufgetan zu haben und da so positiv aufgenommen worden zu sein.
ca. ein halbes Jahr später, breitete sich dieses Spiel jedoch derart unter den Leuten aus, das heute bis auf mich selbst höchstens noch 2 andere dieses Spiel nicht spielen. Ich habe es mal getestet und es gibt mir nichts. Es ist ein Spiel, OK. Aber nichts, wofür ich neben dem Kaufpreis des Spiels selbst, noch zusätzlich 8 oder 9 € jeden Monat hinlegen würde, damit ich es spielen darf. Auch noch komplett unabhängig davon, ob ich in dieser Zeit spiele oder nicht. So ist es kein Spiel mehr, sondern nur eine kostenspielige, Zeit fressende Verpflichtung. Und das macht mir kein Spass.
Was mich sehr traurig macht ist, das diese Leute süchtig sind. Vollkommen! Sie haben ihr komplettes Leben umgestellt, spielen jeden einzigen Tag mehrere Stunden, vernachlässigen Ihre Partner, was zu diversen Trennungen geführt hat und reden seitdem (seit nunmehr gut einem Jahr) über nichts anderes mehr. Einer hat jetzt sogar seine Ausbildungsstelle verloren, da er nicht mehr auf der Arbeit erschienen ist.
Ich gerate dadurch immer mehr zum Aussenseiter. Schliesslich kann man aus DEREN Sicht heraus ja nicht mehr mit mir sprechen. Und auch keinen Spass haben. Aber wie auch? Wer kann schon zum Party-Helden werden, wenn er zum Hauptthema nichts zu sagen hat?
Stattdessen werden jetzt Leute, die sich hoffnungslos mit den Menschen in diesem Freundeskreis überworfen haben, die immer völlig verdient als die Ärsche der Nation gehandhabt wurden, wieder integriert, weil die ja sehr erfolgreich spielen und die Leute im Spiel nach vorne bringen.
Ich sehe die meisten nicht mehr als Freunde an. Es sind größtenteils nur noch Fähnchen, die sich sehr extrem dem Wind beugen. Je nachdem aus welcher Richtung es gerade am meisten bläst.
Das alles bedrückt mich schon sehr lange.
Auslöser für diesen Artikel ist ein Heiseartikel den ich gerade gelesen habe. Er bestätigt deckungsgleich meine Erfahrungen. Das leugnen der Personen in meinem Umfeld passt soweit ich informiert bin auch nahtlos ins Bild eines Abhängigen.
Wer sich für dieses Thema interessiert sollte sich diesen Artikel mal zu Gemüte führen:
Auf jedenfall wirst _Du_ ja nicht untergehen, und dies ist das allerwichtigste. Du hast den Halt Deiner Freundin, und auch den von den wenigen echten Freunden. Helfen kann man den betroffenden Net-Honks leider nicht, meiner Meinung nach werden die meisten früher oder später wieder von selbst erwachen. Bei mir passiert das jedenfalls immer, wenn die Kiste Bier leer ist! =) Ausserdem würde ich mir überlegen, ob ich mein Gewissen beruhigen will. Dann weise ich auf die Gefahr hin, und wer sich nicht helfen lassen will bzw. noch gegen mich schimpft, der kann dann da bleiben, wo der Döner wächst! Auch wenn er danach angekrochen kommt, weil er einen mal braucht… Ein schwaches, biegsames Fähnchen bleibt immer ein Gummibaum..
Hallo Marc,
wie Du weißt, stand auch ich vor genau einem Jahr ganz allein in der Fremde dar, welches nicht leicht war. Doch ich habe mich nicht unterkriegen lassen (wie immer) und habe mir neue Bekanntenkreise geschaffen, die teilweise inzwischen schon zu echten Freundschaften geworden sind. Dieses war nicht immer einfach, denn man stößt dabei auf sehr viele Chaoten und häufig genug ist man frustriert bei dem, was alles heutzutage frei herumläuft! Doch ich habe mich nicht unterkriegen lassen und kann mich heutzutage vor netten Leuten und Unternehmungen kaum retten. Darum kann ich Dir nur aus eigener Erfahrung raten, daß auch Du ganz neu anfangen kannst und sollst, laß vor allen Dingen nicht den Kopf hängen, denn jeder Abschied gibt auch die Chance auf einen neuen Anfang.
In Liebe, Deine Ma